Druckausgleich-beim-Tauchen

Damit du die wunderschöne Unterwasserwelt mit all ihren Riffbewohnern näher betrachten kann, musst du zwangsmäßig für einen Druckausgleich beim Tauchen sorgen.

Damit Du dies demnächst mühelos im Vorbeigehen meistern wirst, beschäftigen wir uns heute mal mit den gängigsten Methoden einen Druckausgleich beim Tauchen herzustellen und welche Tipps für einen besseren Druckausgleich helfen.

Warum musst du den Druckausgleich beim Tauchen durchführen?


Da wir meistens im Wasser, also einem flüssigen Medium tauchen, herrschen dort Hydrostatische Drücke, welche nach dem Pascalschen Gesetz berechnet werden. Das Gewicht des Wassers drückt als Wassersäule auf den Körper inklusive der Luftgefüllten Hohlräume wie den Ohren und den Nasennebenhöhlen.

Der Hydrostatische Druck des Wassers steigt linear mit zunehmender Tiefe. An der Wasseroberfläche (Kopf ist außerhalb des Wassers) finden wir lediglich den Luftdruck (Patm) in Höhe von ca. 950-980 mbar vor.

Stecken wir jetzt den Kopf unter Wasser, so addiert sich zu dem Luftdruck, der von oben auf die Wasseroberfläche drückt auch noch der Hydrostatische Druck (Ph) des Wassers hinzu.

Jeder Meter Wassertiefe erhöht den hydrostatischen Druck um 0,1 bar, wodurch auf -10m schon ganze 1 bar  Wasserdruck Ph + ca. 950 mbar Luftdruck Patm also insgesamt ca. 2 bar vorzufinden sind.

Da der steigendende Druck auch auf unsere Luftgefüllten Hohlräume einwirkt, und der Druckunterschied immer größer wird, je tiefer wir tauchen, müssen wir den Druckausgleich beim Tauchen regelmäßig ausführen.

Am Druckausgleich beim Tauchen beteiligte Organe/Körperteile:


Am Druckausgleich beim Tauchen sind grundsätzlich mehrere Organe oder Körperteile verantwortlich. Nicht jedes Organ oder Körperteil wird allerdings bei jeder Druckausgleichstechnik benutzt. Dieses perfekte Zusammenspiel, um einen leichten Überdruck im Mund- und Nasennebenhöhlen-Raum, um den Druck auszugleichen findest du weiter unten.

Diese Organe oder Körperteile sind für den Druckausgleich verantwortlich:

  • Lunge
  • Zunge
  • Kehlkopfdeckel
  • Eustachische Röhre
  • Gaumensegel
  • Mund- und Nasennebenhöhlen

Welche Methoden für den Druckausgleich beim Tauchen gibt es jetzt?


Für den Druckausgleich beim Tauchen gibt es grundsätzlich 3 verschiedene Techniken für den Ausgleich der auftretenden Druckunterschiede. Alle 3 sind unterschiedlich schwierig zu erlernen und anzuwenden. Manch einer ist gesegnet mit dem automatischen Öffnen der Eustachischen Röhren durch reines Schlucken, andere hingegen werden diese Technik allerdings nie erlernen.

Diese 3 Techniken für den Druckausgleich beim Tauchen gibt es:

  1. Valsalva
  2. Frenzel
  3. Beance Tubaire Volontaire (BTV)

Valsalva

Diese aktive Druckausgleichsmethode wird von den meisten Tauchern angewendet und ist am leichtesten auszuführen. Sie ist aber nicht so effektiv wie die Frenzel-Technik für den Druckausgleich beim Tauchen.

Die Valsalva Druckausgleichsmethode können Taucher mit Pressluftflasche fast immer verwenden. Wir Apnoetaucher aber nicht, da unsere Lunge mit zunehmender Tiefe an Volumen verliert, so dass spätestens ab ca. 20-30 Meter Tiefe auf die Frenzel-Technik umgestellt werden muss.

Am besten man versucht schon von vornherein die Frenzel Technik zu erlernen, da Sie für deutlich größere Tiefen nötig und unter anderem auch deutlich entspannter ist.

So gelingt der Valsalva Druckausgleich:

Bei der Valsalva-Technik wird aktiv gegen beide geschlossenen Atemöffnungen ausgeatmet, wobei die Bauchmuskeln zur Verstärkung mit hinzugezogen werden können. Der Mund bleibt hierbei geschlossen, und die Nase wird hierbei an den Nasenflügeln zugehalten.

Durch den Ausatemvorgang kann die Luft nicht entweichen und baut so einen leicht erhöhten Druck im Mund- und Rachenraum auf.

Da der Druck nirgends entweichen kann sucht sich die Luft ihren Weg in Richtung Eustachische Röhre, welche zum Trommelfell und den Nasennebenhöhlen führt.

Frenzel

Bei der Frenzel Druckausgleichsmethode wird nicht die Lunge benutzt, um einen Druckausgleich in den Ohren und den Nebenhöhlen herzustellen.

Hier verwenden wir unsere Zunge als eine Art Kolben.

Bei verschlossenem Kehlkopfdeckel (die Lunge wird damit wie ein Ventil verschlossen), können wir im Mund- und Rachenraum einen Überdruck erzeugen. Dieser sorgt dann für den Druckausgleich am Trommelfell und in den Nebenhöhlen.

Diese Druckausgleichsmethode ist damit auch wieder aktiv und muss durch unser Zutun herbeigeführt werden.

So gelingt der Frenzel Druckausgleich:

Bei der Frenzel-Methode für den Druckausgleich beim Tauchen wird der Kehlkopfdeckel geschlossen und mit der Zunge im Rachenraum ein leichter Überdruck aufgebaut.

Der Bewegungsablauf gliedert sich wie folgt:

  1. Um den Kehlkopfdeckel zu kontrollieren versuchen wir während wir ausatmen immer wieder den Luftstrom über den Kehlkopfdeckel zu unterbrechen. Nach ein paar Versuchen gelingt dies bestimmt. Nun können wir den Kehlkopfdeckel bewusst kontrollieren.
  2. Bei geschlossenem Kehlkopfdeckel legen wir nun den vorderen Teil der Zunge an den Gaumen und halten die Nase zu, damit wir einen Druck im Rachenraum aufbauen können.
  3. Mit einem „Kkkkkk“ oder „Gggggg“– Laut bringen wir unsere Zunge dazu sich nach hinten zu bewegen, wodurch dann bei geschlossenem Kehlkopfdeckel  ein Druck aufgebaut wird.
  4. Durch den nun entstehenden Druck wird die Eustachische Röhre geöffnet und der Druck am Trommelfell und den Nasen- und Nebenhöhlen ausgeglichen.

Achtung: Bei dieser Druckausgleichsmethode ist allerdings vorsichtig geboten Mit der Zunge kann ein sehr großer Druck aufgebaut werden, was im schlimmsten Fall zu Trommelfellrissen führen kann. Also langsam herantasten.

Beance Tubaire Volontaire (BTV)

Die Königsdisziplin: Druckausgleich beim Tauchen ohne die Hände zu benutzen oder auch hands free genannt.

Bei dieser Methode, um den Druckausgleich herzustellen, müssen keine Hände mehr zur Nase geführt werden.

Einige Taucher / Apnoetaucher sind von Geburt an damit gesegnet, andere wenige können es erlernen, aber die meisten (ca. 70%) werden leider niemals in diesen wunderbaren freien Genuss kommen. Bei den Wenigen, bei denen der Druckausgleich quasi von sich aus „quasi plötzlich auftritt“, können sich glücklich schätzen eine passive Druckausgleichsmethode zu beherrschen.

So gelingt der BTV Druckausgleich:

Mit diesen 3 Methoden kann es gelingen:

  1. Durch die reine Schluckbewegung lässt sich mit etwas Glück erreichen, dass die Eustachischen Röhren auseinander gezogen werden und der Druckausgleich von alleine hergestellt wird 
  2. Mit einer ziemlich eng sitzenden Maske verwendet man die Zunge wieder als Kolben. Durch den Widerstand der Maske öffnet der so entstehende Druck die Eustachischen Röhren und sorgt so für den Druckausgleich
  3. Durch Hervorschieben des unteren Kiefers bei gleichzeitigem gähnen (ohne wirklich richtig zu gähnen). Merkt man manchmal schon, wie es in den Ohren knackt. Dieses Knacken ist das willentliche Öffnen der Eustachischen Röhren. Mit ein wenig Übung kann man auch so die Muskeln, welche dafür nötig sind, kontrollieren und bewusst steuern, um den Druckausgleich beim Tauchen herzustellen.

7 Tipps für den perfekten Druckausgleich beim Tauchen


Mit diesen 7 Tipps wirst du einen deutlich besseren und leichter durchzuführenden Druckausgleich beim Tauchen merken. Deine Tauchgänge werden deutlich entspannter, da du dich endlich auf schönere Dinge, als den Druckausgleich konzentrieren kannst.

#1 Versuche immer genug zu trinken

Durch die erhöhte Flüssigkeitszufuhr wird der Schleim in den Nasennebenhöhlen deutlich dünnflüssiger und kann besser abfließen. Es bilden sich wenige bis gar keine Blockaden und ermöglicht so einen entspannten Druckausgleich.

#2 Vermeide Alkohol und Nikotin vor dem Tauchen

Alkohol und Nikotin sind wahre schleimbildende Genussmittel. So verhindern wir, dass uns unnötiger Schleim dem weiteren Weg nach unten Richtung Sandboden nicht durch unnötige Genussmittel verhindert.

#3 Es darf niemals wehtun

Wenn es schmerzt, dann tauche wieder etwas auf und versuche den Druckausgleich in einer geringeren Tiefe nochmal.

#4 So oft wie möglich

Versuch den Druckausgleich sehr oft durchzuführen. So ist der Druckunterschied nicht so extrem, es treten weniger Verletzungen auf, und er ist leichter auszuführen.

#5 Langsamer Abstieg

Wenn wir langsamer absteigen, erhöht sich der zunehmende Druck nicht ganz so schnell. Gerade die ersten 10-20 Meter sind hier sehr wichtig, da auf bis -10 Meter eine Verdopplung und auf -20 Meter eine Verdreifachung des Atmosphärischen Druckes erfolgt.

#6 Mit dem Kopf nach oben

Als Apnoetaucher natürlich nicht die beste Lösung, aber durch den zusätzlichen Druck des kopfüber-Abtauchens fällt der Druckausgleich etwas leichter, wenn man mit den Füßen zuerst abtaucht.

#7 Auf Milch verzichten

Milch ist ein unglaublicher Schleim-Produzent. Milch wegzulassen hat bei mir schon so einige Apnoetauchgänge gerettet. Mit einer freien Nasen- und Nebenhöhle fällt so mancher Druckausgleich schon deutlich leichter.

Fazit


Der Druckausgleich beim Tauchen ist mit den oben gezeigten Techniken und ein wenig Übung gar nicht mehr so kompliziert. Viel trinken, auf Milch verzichten und schon befreien sich so manche Nebenhöhlen von ganz allein.

Wichtig ist aber, dass zu keiner Zeit Schmerzen beim Abtauchen auftreten dürfen. Weder am Trommelfell, noch in den Nasen- oder Nebenhöhlen.

Wenn der Druckausgleich gar nicht geht, dann sollte man auf gar keinen Fall irgendwas erzwingen. Lieber auf einer Tiefe bleiben, die ohne Schmerzen erreichbar ist, oder aber den Tauchgang ganz abbrechen.

Safety First.

Wenn es hart auf hart kommen sollte, und du auch mit diesen 7 Tipps den Druckausgleich beim Tauchen nicht vernünftig herstellen kannst, versuch doch mal mit einer Nasendusche* deine Nase und die Nasennebenhöhlen ordentlich durchzuspülen.

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Über den Autor

Sebastian ist Gründer von Freitauchen-lernen, Reisejunkie, Apnoetaucher und Videograf. Er ist absoluter Fan dieses Sports mit all seinen wunderbaren Facetten und er liebt es angehenden und fortgeschrittenen Apnoetauchern diesen faszinierenden Sport beizubringen und deren Wissen zu vertiefen.

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